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Artikel aus dem Eichsfelder Tageblatt

Chorserie / Beim Männergesangverein Breitenberg gibt es zwar genug Nachwuchs, doch es mangelt an erfahrenen Stimmen

Die Windmühlen-Sänger wollen das Publikum mitreißen

Breitenberg (cs). Zu den Trägern des kulturellen Lebens auf den Dörfern im Eichsfeld gehören sicherlich in ganz besonderem Maße die Chöre. In einer kleinen Serie will das Tageblatt einige von ihnen vorstellen. Heute geht es um den Männergesangverein Breitenberg.

Während die meisten Chöre über fehlende junge Nachwuchsstimmen klagen, plagt den Männergesangverein Breitenberg eher das umgekehrte Problem. Mit einem relativ niedrigen Durchschnittsalter von 40 Jahre ist der Chor wohl einer der jüngsten im Eichsfeld. Dafür fehlen unter den 25 Aktiven einige erfahrene Stimmen.

„Es ist schade, dass die Aktiven so früh schon aufhören zu singen“, klagt zweiter Vorsitzender Wilfried Rüdemann. Die routinierten Sänger seien nötig, um die Stabilität des Chores zu wahren. „Die tragenden Stimmen müssen die Jungen in der Stimme stärken“, erklärt erster Vorsitzender Aloys Friedrich.

Seit rund fünf Jahre schwingt Matthias Nolte den Dirigentenstab im MGV. „Ich bin da mehr oder weniger hineingerutscht“, schmunzelt der Breitenberger. Als Kirchenmusiker hatte er eine chorleiterische Ausbildung absolviert und war damit sozusagen prädestiniert für den Job. Als der ehemalige Dirigent Albert Plumenbau aus Hilkerode ans Aufhören dachte, hatte Nolte einfach ab und zu eine Probe übernommen, bis er 1995 schließlich allein für den Chor zuständig wurde. Seine Aufgabe sieht er darin, Lieder mit den Sängern einzuüben und bei Auftritten Töne, Tempo und Einsätze zu geben. „Damit ist man schon gut beschäftigt“, sagt er. Auf ihren Dirigenten wollen die Breitenberger auf keinen Fall verzichten. „Der Dirigent muss da sein, sonst klappt es nicht“, sagt Rüdenmann. Die Proben finden dienstags abends im Vereinslokal Deppe statt. Interessierte sind jederzeit willkommen. Die einzige Bedingung lautet: „Man muss Spaß und Freude am Singen haben.“ Nach einigen Stimmübungen werden neue Lieder eingeübt oder alte wieder aufgefrischt, denn bei einem so umfangreichen Repertoire können die Sänger nicht alle Lieder im Gedächtnis haben. Zu hören sind Heimatleider, kirchliche Stücke und moderne Werke. „Wir haben viele Ohrwürmer dabei“, sagt Friedrich. „Die Lieder sollen die Zuhörer mitreißen.“ Die Stücke sucht Nolte für seine Sänger aus. „Man muss abwägen, was dem Chor liegt“, erklärt er. „Man darf sich nicht an einem Stück kaputt üben.“

Von April bis Anfang Oktober legen die Sänger eine schöpferische Pause ein. Geprobt wird in dieser Zeit nur, wenn Auftritte anliegen. Und davon gibt es eine Menge, denn die Sänger bei Jubiläen, Goldenen Hochzeiten und Geburtstagen gerne eine Kostprobe ihres Könnens. Auch im Breitenberger Gotteshaus sind die Sangesbrüder regelmäßig zu hören. „Lampenfieber gehört zum Geschäft“, lacht der erste Vorsitzende. „Schon das Auftreten ist wichtig – es ist das Aushängeschild des Chores.“ In der Gemeinde stoßen die Sänger auf positive Resonanz, die Konzerte sind gut besucht. „Trotzdem sind wir nicht üppig besetzt“, seufzt Friedrich.

Doch auch die Geselligkeit kommt beim Breitenberger Gesangverein nicht zu kurz. Nach einem Ständchen wird gemütlich zusammengesessen, gelacht und gesungen. „Das macht auch den jungen Leute Spaß“, freut sich Friedrich. Weihnachtsfeiern und Familientage stärken die Gemeinschaft der insgesamt 68 Mitglieder. „Spaß und Gemütlichkeit sind uns wichtig“, sagt der zweite Vorsitzende.

 

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Musikalisches Wirken im Schatten der Windmühle: Der Männergesangverein Breitenberg

Foto: Blank